trainingslager

st.gallens geplatzter olympiatraum

Wenn im Frühjahr 2019 Premiere von „Trainingslager – St.Gallens geplatzter Olympiatraum“ ist, dann ist dem Projekt eine mehrmonatige Recherchen-Phase vorausgegangen, bei der Jacques Erlanger (Produktionsleitung) und Oliver Kühn sich mit St.Gallens Stadtgeschichte beschäftigt und Personen befragt haben, die etwas zu Themen wie „Grosse Pläne“, "Utopien", “Wagen und Scheitern“ zu sagen haben. Wie eben auch am 29. März 2018. Dass diese Kickoff-Veranstaltung genau hundert Jahre nach Ende des 1. Weltkrieg stattfindet, macht Sinn. Markiert dieses historische Ereignis doch einen wesentlichen Knick in St.Gallens aufstrebender (Wirtschafts-)Entwicklung. Kurz vor Ausbruch des Krieges lagen noch Pläne für ein „Gross-St.Gallen“ in den Schubladen der Stadtplaner, mit Ausbruch des Krieges stellte sich das Ganze aus wirtschaftlichen Gründen als Utopie heraus. In der Folge musste sich St.Gallen neu erfinden und manche meinen, dass dieser „Schock“ noch bis heute in der „Stadt–DNA“ nachwirkt. Jedenfalls gilt St.Gallen, schliesslich die Ostschweiz, als Gegend, zu der Interessensverbände, Teile der Bevölkerung und nationale Medien nicht müde werden, daraufhin zu weisen, wieviel Entwicklung hier noch vonnöten wäre, um national aufzuholen. „Typisch St.Gallen“ ist so eine pauschale Wendung geworden, die ein geknicktes Selbstbewusstsein umschreibt. Das vielleicht sogar einer Gesamt-Ostschweizerischen Befindlichkeit entspricht. Beim Gespräch vom 29. März werden sich diesbezüglich nicht die grossen Meinungsverschiedenheiten auftun. Was Erlanger und Kühn aber interessiert, ist, ob die Teilnehmenden aus ihrer Tätigkeit solche Erfahrungen teilen, welchen „Kick“ sie St.Gallen wünschten und ob sie nicht auch vom Gegenteil zu berichten wissen. Schliesslich interessiert auch das Thema, welche menschlichen Züge und Eigenheiten dazu führen, dass grosse Pläne scheitern, warum Theorien Theorien bleiben und warum das eben auch seinen Charme haben kann. Denn das Berichten vom Planen und Scheitern - das ist bester Theaterstoff. 


trainingslager - das stück

Im ausgezeichneten Hotel und Restaurant Militärkantine liegt in Zimmer 8 ein Langzeit-Gast. Hat man ihn vergessen? Manche sagen: «Er war schon immer da.» Was offenbar Grund ist, ihn da liegen zu lassen. Wohl schon hundert Jahre. Jeder Gang zum Zähneputzen ans Waschbecken ist für ihn auch mit dem Risiko verbunden, wieder einen Zahn zu verlieren. Auf seinem Zimmer-Bildschirm laufen Sportfilme von damals. Und auch anderes. Dokumente eines ganzen Jahrhunderts. So lange wartet er schon auf seine Mannschaft, auf sein Team. Dass dieses wiederkommt, überhaupt mal kommt, davon ist er überzeugt. Wie damals, als geplant war, dass alle glorios ins Olympiastadion im Tal der Demut einziehen sollten. Fackelträger einer grossen Idee.  «Damals» ist schon zum Vergessen lange her. Weil alles anders kam. 


trainingslager - die vorlage

In Théo Buffs Buch „St.Gallen – eine Stadt wie sie nie gebaut wurde“ findet sich tatsächlich ein Plan zu einem Olympiastadion Riethüsli (Bild). Ein ehrgeiziges, ein kühnes, ein phantastisches Projekt. Es scheiterte. Oliver Kühn und Jacques Erlanger zeichnen in ihrem Stück „Trainingslager“ nach, warum das Projekt vielleicht gescheitert ist, mischen historische Tatsachen und Fiktion bis in die Gegenwart und wollen damit auch Tatsachen und Klischees reflektieren, warum die Stadt St.Gallen in ihrer Entwicklung sich immer wieder mit denselben Themen beschäftigt.